KUNST und KAMPF bindet POLITIK
Die Fotografin >>Nan Goldin<< kämpft gegen die Pharma-Familie >Sackler<, die mit dem Schmerzmittel Oxycontin die verheerende Opioid-Krise in den USA mit verursachte
Kommentar
Jürgen Heinz Peter Deutsch
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>Nan Goldin's Motto:<
>Habe eine Aversion gegen Unter-den-Teppich-Kehren<
Nan Goldin Fotografin, die Kamera verlieh ihr Persönlichkeit
Erinnerung: Geboren 1953 in Washington D.C., wuchs Goldin in einer gutbürgerlichen jüdischen Familie auf. Zu den wohl prägendsten Ereignissen gehörte der Tod ihrer älteren Schwester Barbara, die als 18jährige Selbstmord beging. Jahrelang war sie von den Eltern in psychiatrischen Einrichtungen eingewiesen worden - offenbar grundlos. Goldin selbst verließ mit 14 ihr Zuhause, fand in einer Hippie-Schule Gleichgesinnte. Dort bekam sie ihre erste Kamera. Das Fotografieren wurde zum Selbstzweck: ,Plötzlich hatte sie eine Persönlichkeit: Einen Grund da zu sein."
In Boston hielt sie Anfang der 1970er ihre Freundschaft mit Transgender-Künstlerinnen fest, später zog sie in die New Yorker Bowery, wo sich die Szene in schäbigen Lofts und Kneipen traf. Was dort vor sich ging, knipste sie. Die Bilder zeigten Menschen, die feiern, leiden, Monopoly spielten. Goldin wurde abhängig von Heroin. Das sie später den Kampf gegen das Opioid-Problem zu ihrem Antrieb gemacht hat, dürfte aber auch damit zu tun haben, das sie die Aids-Epidemie aus nächster Nähe erlebte. Einige ihrer Freunde fotografierte sie noch im Sterben. Nicht nur deswegen warfen ihr Kritiker die Romantisierung von Elend vor. Körnig und mitunter unscharf standen die Bilder im Gegensatz zum gut ausgeleuchteten Schwarz-Weiß-Look der Zeit. Die Selbstdarstellung, der scheinbar spontane Schnappschuss: Inzwischen ist die Ästhetik allgegenwärtig.
Längst stehen die USA vor einer neuen Gesundheitskrise. Deren Ausmaß ist riesig, denn auf Rezept ausgegebene Opioide haben ganze Gemeinden zerstört. Goldin selbst bekam Oxycontin nach einer Operation am Handgelenk in Berlin/Germany verordnet. Damals, 2014, gehörte sie längst zu den renommiertesten Fotografinnen der Gegenwart. Die Wirkung des Medikaments war unmittelbar, so beschrieb sie es. Obwohl ich es wie vorgeschrieben einnahm, wurde ich über Nacht abhängig. Erst Jahre später schaffte sie den Absprung. Selbst die Omnipräsenz des Internets hatte sie in der Zwischenzeit verpasst.
Persönlich sind die Sackler's, die mit dem Präparat Milliarden verdienen, nie strafrechtlich belangt worden. Fast ein bisschen märchenhaft wirkt es da, das Goldin und ihre Mitstreiter zumindest auf dem Parkett des Kulturbetriebs einen Sieg davontrugen. Er glich einem Dominoeffekt: Nach und nach ließen die Institutionen die Mäzenatenfamilie fallen. Die Tate in London wies eine Millionenspende zurück, der Louvre montierte den berühmten Namen ab. Andere Museen folgten.
Nan Goldin? Sie ist jetzt präsent wie lange nicht. Ab Mürz macht sie sehenswerte Ausstellung ,,This Will Not End Well"" im Pariser Grand Palais Station, in London hat die Gagosian Gallery die ,,Ballad of Sexual Dependency"" im Programm - jene Serie, die Goldin in den 1980er Jahren zum Durchbruch verhalf. Deren oft explizite Motive dürften heute kaum noch jemanden Aufregen. Für Schlagzeilen sorgte die jetzt 72-Jährige nun mit politischen Bekundungen. Ob der Erfolg im Fall Sackler sie ermuntert hat, sich auch auf anderen Feldern von Aktivismus zu bestätigen?
FAZIT
Vielleicht sieht sich Nan Goldin nun in erster Linie in der Rolle der Kämpferin. Sie fotografiert nur noch selten. Manchmal macht sie Aufnahmen vom Himmel in Pink, Nachtblau oder aus dem Flugzeugfenster - der Horizont sei die beste Kunst, so hat sie die Wahl einmal erklärt. Schließlich mache er einem die Größe der Welt bewusst. Und zumindest könnte das, doch etwas sein, worauf sich alle Menschen einigen könnten.

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